Lebensmittelallergien & -intoleranzen

1. Lebensmittelallergie

In der Schweiz leiden rund 1 Million Personen an einer Lebensmittelallergie. Hierbei handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Nahrungsmittelbestandteile (meistens Eiweisse). Sogenannte Antikörper identifizieren diese Allergene und bringen das Immunsystem dazu, mit Botenstoffen zu reagieren. Diese Botenstoffe lösen dann die allergischen Symptome aus. 

 

1.1 Die häufigsten Allergene

Folgende Lebensmittel zählen, aus lebensmittelrechtlicher Sich, zu den häufigsten allergieauslösenden Substanzen und müssen in der Zutatenliste eines Produkts immer klar deklariert werden:

  • Gluten
  • Milch
  • Soja
  • Sellerie
  • Senf
  • Erdnüsse
  • Nüsse allgemein
  • Eier
  • Fische
  • Krebs- und Weichtiere
  • Sesam
  • Schwefeldioxid und Sulfit

 

1.2 Symptomatik 

Am meisten ist die Haut betroffen (Bindehautentzündung, Juckreiz, Ödeme, Neurodermitis) gefolgt von allergischen Reaktionen der Atemwege (Schnupfen, Asthma). Seltener treten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt auf. Am häufigsten tritt unmittelbar nach Genuss bestimmter Nahrungsmittel Juckreiz im Rachenbereich oder pelziges Mundgefühl auf. Gefürchtet ist der anaphylaktische Schock, der selten auch tödlich verlaufen kann. Die Symptome treten in der Regel schon wenige Sekunden bis Minuten nach dem Genuss eines Nahrungsmittels auf – oft genügen schon Spuren. Folgende Faktoren können das Ausmass der allergischen Reaktion beeinflussen:

  • Allgemeiner Gesundheitszustand
  • Stress
  • Medikamente
  • Körperliche Betätigung
  • Andere gleichzeitig eingenommene Nahrungsmittel
  • Alkohol 

 

1.3 Diagnostik der Nahrungsmittelallergien

Mittels eines Allergietests kann der Allergologe ermitteln, ob eine Allergie vorliegt. Zuerst wird der Betroffene jeweils gründlich befragt, danach ein Blut- und Hauttest durchgeführt. Zusätzlich kann eine sogenannte orale Provokation durchgeführt werden. Im Blut werden spezifische Antikörper (IgE) gegen das verdächtige Allergen gemessen. Beim Hauttest (Pricktest) wird ein Tropfen des in Flüssigkeit gelösten Allergens auf den Unterarm geträufelt und mit einer Nadel in die Haut gestochen. Anschliessend kann die Reaktion der Haut abgelesen werden. Bei der oralen Provokation wird das Nahrungsmittel offen oder versteckt verabreicht. Anschliessend wird die Reaktion des Betroffenen während mehreren Stunden medizinisch überwacht.

 

1.4 Therapie

Eine Eliminationsdiät, bei der das Allergen weggelassen wird, ist die einzig wirksame Massnahme. Es ist wichtig, dass jeder Allergiker mit einem Notfallset ausgerüstet ist. Dieses muss ein Antihistaminikum und Prednison (Cortison) und bei schweren Reaktionen Adrenalin enthalten. 

 

2. Nahrungsmittel-Intoleranzen

Bei einer Intoleranz sind keine nahrungsmittelspezifischen Immunmechanismen im Spiel. Je nach Intoleranz sind in der Schweiz ca. 20% (Laktoseintoleranz) der Bevölkerung betroffen. 

 

2.1 Formen

Nahrungsmittelintoleranzen können in folgende Gruppen unterteilt werden:

Malabsorption
Dazu gehören z.B. Zöliakie (Glutenintoleranz/Sprue) und Fruktoseintoleranz (Fruktosemalabsorption).

Enzymatische Intoleranz
Die Ursache ist ein Enzymmangel oder ein Enzymdefekt, der zur Folge hat, dass bestimmte Nahrungsbestandteile nicht (vollständig) verdaut werden können. Bekannt und angeboren sind: Hereditäre Fruktoseintoleranz und Galaktoseintoleranz (Galaktosämie). Erworben sind: Laktoseintoleranz, Histaminintoleranz, Saccharoseintoleranz, Sorbitintoleranz, Fruktosemalabsorption

Pharmakologische Nahrungsmittelintoleranzen 
Bestimmte Substanzen in Nahrungsmitteln sind pharmakologisch aktiv und können, wenn sie in grossen Mengen verzehrt werden, zu Symptomen von Lebensmittelintoleranzen führen: biogene Amine wie Histamin in Tomaten, Rotwein und reifem Käse, Phenylethylamin in Schokolade, Tyramin in reifem Käse oder in Schokolade, Serotonin in Bananen und Nüssen, Glutamate.


Nichtdefinierte Intoleranzreaktionen 
(Pseudoallergische Reaktionen auf Nahrungsmittelzusatzstoffe) 
Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Allergie. Bei nichtdefinierten Intoleranzreaktionen handelt es sich um Reaktionen auf natürliche Nahrungsmittel oder bestimmte Zusatzstoffe wie Lektine, Salicylate, Benzoesäure, Farbstoffe, Emulgatoren und Sulfite bekannt.

 

2.2 Symptomatik

Die Symptome einer Intoleranz sind vielfältig. Am häufigsten ist der Magen-Darm-Trakt betroffen, mit Beschwerden, wie Blähungen, Durchfall, Erbrechen, Unwohlsein oder Verstopfung. Weitere mögliche Reaktionen sind: Müdigkeit, Hautausschläge, Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden oder aber auch rheumatische Beschwerden. Es ist nicht immer einfach, diese mit einer Nahrungsmittelintoleranz in Verbindung zu bringen, da die Symptome häufig schleichend beginnen.

 

2.3 Diagnostik

Intoleranzen lassen sich nicht mit einem Allergietest nachweisen. Der Nachweis kann schwierig sein. Eine saubere Anamnese stellt die Basis der Diagnostik dar. Je nach Verdacht können Tests, wie z.B. ein Gentest im Blut oder H“-Atemtest bei Verdacht auf Laktoseintoleranz gemacht werden, um den Verdacht zu bestätigen. Steht kein Test zur Verfügung, wird eine Weglassdiät durchgeführt, um zu schauen, ob sich die Symptome anschliessend bessern.

 

2.4 Therapie / Behandlung

Nach der Diagnosestellung muss der Betroffene die beschwerdeauslösenden Nahrungsmittel weglassen. Bei der Laktose-, Fruktose- und Histaminintoleranz wird zusammen mit einer dipl. Ernährungsbe-raterin HF/FH die individuelle Verträglichkeit ermittelt. Bei einer Zöliakie muss eine streng glutenfreie Ernährung eingehalten werden. Medikamentös kann bei Laktoseintoleranz als Tablette das Enzym Laktase und bei Histaminintoleranz das Enzym Diaminoxidase eingenommen werden.

 

3. Unterschied Allergie und Intoleranz

  Nahrungsmittel-Allergie Nahrungsmittel-Intoleranz
Mögliche Auslöser Sellerie, Nüsse, Soja, etc. Laktose, Fruktose, Gluten, etc.
Ursachen Immunsystem reagiert auf allergieauslösende Stoffe (Allergene), die als Fremdkörper wahrgenommen werden. Körper kann nicht mehr zwischen „Freund“ und „Feind“ unterscheiden. Angeborener oder erworbener Mangel an Enzymen, wodurch das Stoffwechselgeschehen gestört ist und Nahrungsbestandteile nicht richtig abgebaut werden können. 
Symptome Einfache Hautirritationen, Juckreiz, Schwellungen im Mund oder Hals, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Atemnot, anaphylaktischer Schock, Tod. Blähungen, Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, Verstopfung, Durchfall.
Therapie Weglassen des Allergens Weglassen der unverträglichen Substanz. Je nach Diagnose: Medikament (z.B. Lacdigest)

 

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