Laktoseintoleranz

Vorkommen und Definition

Laktose (Milchzucker) ist ein Zweifachzucker, zusammengesetzt aus Galaktose und Glukose (zwei Einfachzucker) und kommt natürlicherweise in der Milch von Säugetieren vor. Laktose wird normalerweise im Dünndarm durch das Verdauungsenzym Laktase (= β-Galactosidase) in die genannten Einfachzucker gespalten. Die Einzelbausteine der Laktose können so in das Blut aufgenommen werden und stehen dem Körper als Energielieferanten zur Verfügung.

Bei Personen mit einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) wird das Verdauungsenzym Laktase nicht oder nicht ausreichend produziert. Somit kann die Laktose nicht gespalten werden, gelangt unverdaut in den Dickdarm und wird dort von den Darmbakterien vergoren. Die daraus entstehenden Gase und kurzkettigen Fettsäuren führen zu erhöhten Darmbewegungen und den typischen Beschwerden (siehe Kapitel Symptome). Ein Grossteil der Weltbevölkerung kann nach dem Säuglingsalter den Milchzucker nicht mehr richtig verwerten.

In den ersten Lebensjahren eines Säuglings bzw. Säugetiers ist die Laktose noch überlebenswichtig. Sobald andere Nahrungsquellen die Milch ablösen, bildet sich das Laktose spaltende Enzym Laktase zurück, weil es nicht mehr in solch grossen Mengen gebraucht wird. Wie stark die sich die Aktivität reduziert ist individuell verschieden und genetisch bedingt. So kommt es, dass unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen grosse Unterschiede in der Verträglichkeit vorkommen. In der Schweiz leiden laut Schätzungen ca. 17% der Bevölkerung unter einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Viel häufiger verbreitet ist die Laktoseintoleranz z.B. in Afrika oder Japan, wo fast jede Person von der Unverträglichkeit betroffen ist – in den nördlichen Ländern wie Skandinavien oder Schweden hingegen nur ca. 3%. In Abhängigkeit der Ursache einer Laktoseintoleranz wird zwischen folgenden Formen differenziert:

 

Angeborener, genetisch bedingter Laktasemangel
Diese Form kommt selten vor und zeigt sich bereits beim Säugling nach der ersten Aufnahme von Muttermilch oder normaler Schoppenmilch.

 

Primär erworbener Laktasemangel
Die primäre Form tritt am häufigsten auf und ist bedingt durch einen natürlichen Rückgang der Laktaseaktivität zwischen dem Kleinkind- und Erwachsenenalter (ca. ab dem 5. Lebensjahr). Die Restaktiviät ist individuell stark ausgeprägt. Grundsätzlich gilt diese Form nicht als Krankheit, sondern als eine normale Anpassung des Körpers an die im Laufe der Entwicklung verän-derter Ernährung.

 

Sekundäre Laktoseintoleranz
Diese Form tritt als Folge einer Schädigung der Darmschleimhaut auf. Die Schädigung führt zu einer Abnahme der Laktaseproduktion. Regeneriert sich die Darmschleimhaut, erholt sich meistens auch die Laktaseproduktion wieder.

 

Symptome

Die Beschwerden treten in der Regel etwa 30 Minuten bis 2 Stunden nach Einnahme laktosehaltiger Lebensmittel auf. Auch ein späteres Auftreten ist möglich. Die Symptome äussern sich klassisch mit Magendarmbeschwerden wie Blähungen (Flatulenz), Durchfall oder Bauchkrämpfen. Das Auftreten von Beschwerden ist primär abhängig von der zugeführten Laktosemenge. Einen Einfluss haben ebenso die verbleibende Laktaseaktivität und der Zustand der Darmflora. Somit können die Symptome in der Art und dem Ausmass unterschiedlich ausgeprägt sein.

 

Diagnose

In vielen Fällen bemerken Betroffene selbst, dass sie den Konsum von Milch und Milchprodukten nicht gut vertragen. Für eine professionelle Abklärung dienen die Eigenerfahrungen als wichtiger Anhaltspunkt. Zur Bestätigung der Diagnose erfolgt unter ärztlicher Aufsicht eine diagnostische Untersu-chung. Die zuverlässigste Methode ist der Wasserstoff-Atemtest. Hierfür muss die betroffene Person nüchtern 50 g in Wasser gelöste Laktose trinken. Nach der Einnahme wird in der Ausatmungsluft die Konzentration von Wasserstoff (H2) alle 30 Minuten während mind. 2 Stunden gemessen. Die Konzentrationsangabe des H2-Gehaltes gibt Nachweis darüber wie die Laktose im Darm abgebaut wird. Eine weitere Methode stellt ein Gentest im Blut dar.

 

Therapie / Behandlung

Basis der Behandlung ist eine laktosearme oder laktosefreie Ernährung. Da die Laktose mengenmässig unterschiedlich vertragen wird, ist auch die Ernährung individuell zu betrachten. Nur wenige Betroffe-ne müssen gänzlich auf Laktose verzichten. Es ist empfehlenswert, die eigene Toleranzgrenze auszutesten – d.h. Ausprobieren welche Milchprodukte und in welchen Mengen sie allenfalls vertragen werden. Meist werden Milchprodukte besser vertragen, wenn sie in einer Mahlzeit zusammen mit Eiweiss und Fett verzehrt werden oder die Menge an laktosehaltigen Produkten über den Tag verteilt ist. Idealerweise wird die Ernährungsumstellung durch eine Fachperson (z.B. Ernährungsberater/in HF/FH) begleitet - um Fragen und Unklarheiten zu klären und den Betroffenen in der Umsetzung zu unterstützen. Erfolgt durch die laktosearme/freie Ernährung keine Besserung, sollten weitere Abklärungen erfolgen.

Es besteht die Möglichkeit, das Enzym Laktase in Kapsel- oder Tablettenform einzunehmen. Diese Enzympräparate können bei Einnahme von grösseren Mengen an Milchprodukten die Verträglichkeit verbessern. Sie sind nicht rezeptpflicht und eignen sich vor allem in Situationen ohne alternative Möglichkeiten. Enzympräparate werden im Magen selbst bereits angegriffen und teilweise verdaut – was zu einer geringeren Unterstützung des Laktoseabbaus führt. Erfahrungsgemäss ist die Dosierung und Wirkung der Präparate individuell und schwierig abzuschätzen.

 

Laktosegehalt von Milchprodukten – was kann ich essen

Wichtig ist, um eine gesunde und ausgewogene Ernährung sicherzustellen, auf eine adäquate Nährstoffzufuhr zu achten. Milchprodukte liefern viele wertvolle Inhaltsstoffe, allen voran das Calcium, weshalb besonders bei diesem gilt, es durch andere Lebensmittel abzudecken. Der Laktosegehalt in Milchprodukten ist je nach Verarbeitung und Lagerung unterschiedlich. Kaum verarbeitete Milch enthält am meisten Laktose und wird entsprechend nicht oder nur in kleinen Mengen vertragen.

Im Herstellungsprozess von Joghurt wird schon ein Teil der Laktose durch die im Joghurt enthaltenen Milchsäurebakterien abgebaut. Weshalb Joghurt für viele verträglicher ist. Ähnlich funktioniert es beim Käse. Der Grossteil der Laktose wird mit der Molke bereits ausgeschieden. Der Rest wird wiederum durch Milchsäurebakterien während des Reifungsprozesses abgebaut. Die Folge – je länger ein Käse gereift, umso weniger Laktose enthält er. Speziell hergestellte, laktosefreie Milchprodukte bieten hochwertige Alternativen. Laktosefreie Milch, Rahm, Joghurt usw. werden aus Kuhmilch hergestellt – die Laktose wird jedoch in der Verarbeitung schon in seine Bausteine Glukose und Galaktose gespalten. Je nach Verfahren schmeckt die laktosefreie Milch etwas süsser, aufgrund der stärkeren Süsskraft von Glukose (Einfachzucker) - im Vergleich zu Laktose (Zweifachzucker).

Im Gegensatz zu pflanzlichen Milchersatzprodukten wie z.B. Sojadrink oder Reisdrink, enthalten laktosefreie Milchprodukte genau so viel Calcium wie herkömmliche Milchprodukte. Insofern pflanzliche Alternativen gewählt werden, ist es wichtig calciumangereicherte Produkte zu verwenden – und calciumreiche Lebensmittel wie grünes Gemüse (z.B. Broccoli, Mangold, Spinat), calciumreiche Mineralwasser, Getreideprodukte und Hülsenfrüchte einzubauen.

 

Laktosegehalt Milchprodukte Alternativen
+++ Milch, Buttermilch, Molke
(häufigste Beschwerdeauslöser)
Laktosefreie Milch
mit Calcium angereicherte Soja-, Reis- oder Mandelmilch
++ Rahm Laktosefreier Rahm
Sojarahm
++ Joghurt, Sauermilch
(Laktose ist durch Milchsäurebakterien teilweise abgebaut und daher für Betroffene besser verträglich als Milch)
Laktosefreies Joghurt
Sojajoghurt
++ Quark, Blanc Battu, Hüttenkäse, Ricotta, Feta, Mozzarella Laktosefreier/-armer Frischkäse
+ Weichkäse (Brie u.a.)
Halbhartkäse (Tilsiter, Raclette etc.)
 
- Hartkäse (Emmentaler, Gru-yère, Sbrinz, Parmesan etc.)  
- Butter  

+++ = viel Laktose / ++ = mittlerer Laktosegehalt / + = Spuren von Laktose / - = laktosefrei

 

Versteckte Laktosequellen

In vielen verarbeiteten Lebensmittel werden milchzuckerhaltige Zutaten wie z.B. Molkenpulver, Laktose, Milchpulver oder Magermilchpulver eingesetzt. Sie sind u.a. in Würzmischungen, Saucen, Suppen, Süssigkeiten, Fertiggerichten usw. auffindbar. Laut gesetzlichen Richtlinien müssen alle milchhaltigen Zutaten auf der Verpackung klar ersichtlich deklariert werden, egal in welcher Menge.

Nicht zu vergessen ist die Laktose als Hilfsstoff in Medikamenten oder homöopathischen Globulis. Auch hier gilt es die Toleranzgrenze auszutesten, denn in vielen verarbeiteten Lebensmittel ist die schlussendlich zugeführte Laktosemenge gering.

 

Praktische Tipps:

  •    Die Laktoseverträglichkeit ist individuell – nur selten ist eine völlig laktosefreie Ernährung notwendig. Unbedingt die Toleranzgrenze bei den einzelnen Lebensmitteln austesten.
  • Als Bestandteil einer Mahlzeit in Kombination mit Proteinen und Fetten oder über den Tag verteilt, werden Milchprodukte besser vertragen.
  • Je näher ein Joghurt dem Verfallsdatum kommt umso weniger Laktose enthält es und desto verträglicher wird es.
  • Umso härter der Käse – umso weniger Laktose enthält er (Extrahart- und Hartkäse sind sozusagen laktosefrei)
  • Auf versteckte Laktose achten (Zutatenliste auf den Verpackungen lesen).
  • Bei Fragen und Unklarheiten rund um die Krankheit und der Ernährungsumstellung, - empfiehlt sich den Kontakt zu einem/einer dipl. Ernährungsberater/in HF/FH.

 

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