Zöliakie

Ca. jede 100. Person in der Schweiz verträgt kein Gluten. Gluten ist ein Sammelbegriff für Getreide-Eiweisse (Klebereiweisse), das in den folgenden Getreidesorten enthalten ist:

Weizen, Hafer, Gerste, Dinkel, Roggen, Grünkern, Einkorn, Emmer, Kamut und Triticale.

Vorkommen und Definition

Zöliakie ist eine lebenslängliche Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber Gluten. Sie ist auch unter den Namen Sprue oder Glutenintoleranz bekannt. Gluten ist ein Eiweiss (Klebereiweiss), das in den folgenden Getreidesorten enthalten ist: Weizen, Hafer, Gerste, Dinkel, Roggen, Grünkern, Einkorn, Emmer, Kamut und Triticale. Bei Zöliakiebetroffenen führen aufgrund einer Autoimmunreaktion des Körpers bereits kleinste Mengen glutenhaltiger Lebensmittel zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Diese ist mit Zotten ausgekleidet, welche die Oberfläche zur Nährstoffaufnahme vergrössern. Das Gluten bewirkt die Rückbildung der Zotten, was eine verminderte Nährstoffaufnahme und dadurch eine Unterversorgung des Körpers zur Folge hat. Studien aus verschiedenen Ländern Europas und den USA zeigten, dass etwa eine von 100 Personen an Zöliakie erkrankt ist. Zöliakie ist eine oft unerkannte Erkrankung und kann in jedem Lebensalter auftreten.

Ursachen der Zöliakie

Bei der Entwicklung einer Zöliakie sind die genetischen Faktoren entscheidend. Die Gene, welche die erbliche Veranlagung steuern, sind jedoch noch nicht alle erforscht. Zur Diskussion stehen auch Um-weltfaktoren wie z.B. virale oder bakterielle Magen-Darm-Infektionen, die eine Rolle bei der Entwick-lung einer Zöliakie spielen könnten. 

 

Symptome einer Zöliakie

Die Symptome der Zöliakie sind vielfältig und können in ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich sein. Zu den typischen Symptomen zählen Durchfall, Gewichtsund Kraftverlust, aufgeblähter Bauch, Bauchschmerzen, Übelkeit und bei Kindern Wachstumsstörungen. Dazu kommen weitere Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Erschöpfung sowie Vitamin- und Mineralstoffmangel. Die Vielseitigkeit der Anzeichen und die oft nur gering ausgeprägte Symptomatik führen dazu, dass Zöliakie nicht einfach zu diagnostizieren ist.

 

Diagnosestellung

Die optimale Diagnose stützt sich auf folgende Punkte:

  • Anamnese und Erfassung der Beschwerden
  • Blutuntersuchungen
  • Gewebsuntersuchung

Das Blut wird auf spezifische Zöliakie-Antikörper untersucht. Nach einem positiven Antikörpertest wird eine Gewebsentnahme im Dünndarm empfohlen, um die Diagnose zu bekräftigen. Die Gewebsprobe wird auf Veränderung der Darmschleimhaut untersucht. Wichtig ist, die Blut- und Gewebsuntersuchung VOR Beginn einer glutenfreien Ernährung durchzuführen. Wird die Ernährung vor der Diagnose umgestellt, kann es zu Verfälschungen der Ergebnisse kommen.

 

Therapieansätze bei Zöliakie

Die einzige Therapie der Zöliakiebetroffenen besteht aus dem lebenslangen Verzicht auf alle glutenhaltigen Lebensmittel. Die glutenfreie Ernährung bedeutet meist eine einschneidende Ernährungsum-stellung. Ausserdem wird Gluten in vielen industriell hergestellten Produkten verwendet, was die Umsetzung nicht gerade vereinfacht. Erfahrene dipl. Ernährungsberater/-innen HF / BSc BFH Ernährungsberater/-innen können den Betroffenen helfen, das Krankheitsbild zu verstehen und die individuelle Umsetzung der glutenfreien Ernährung im Alltag zu vereinfachen.

 

Glutenfreie Ernährung

Bei der glutenfreien Ernährung muss Gluten gemieden werden. Dieses ist in folgenden Getreidesorten enthalten: Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer und Kamut. Die Eignung von Hafer in der glutenfreien Ernährung ist noch nicht abschliessend geklärt. Laut den Empfehlungen der IG Zöliakie der Deutschschweiz ist die meisten Zöliakie-Betroffenen ein nicht mit gluten verunreinigter Hafer vertragen. Einige Betroffene reagieren allerdings auf das im Hafer enthaltene Avenin, was es für diese Personen unverträglich macht.

Bedenkenlos sind die natürlicherweise glutenfreien Lebensmittel. Bei den Stärkebeilagen sind dies Kartoffeln, Reis, Mais, Buchweizen, Amarant, Quinoa, Hirse und Hülsenfrüchte. Ebenso erlaubt sind die unverarbeiteten Grundnahrungsmittel wie Milch und viele Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier, pflanzliche Öle, Obst, Gemüse und Zucker. Im Handel gibt es ausserdem ein breit gefächertes Sortiment an glutenfreien Spezialprodukten als Alternative zu glutenhaltigen Produkten wie Mehl, Brot und Teigwaren. Diese speziellen Produkte sind mit einem glutenfreien Symbol gekennzeichnet, wobei die durchgestrichene Ähre das Verbreitetste ist. Vorsicht ist bei sämtlichen Fertigprodukten wie Würzmischungen, Desserts, Suppen und Saucen angezeigt. Hier gilt es die Zutatenliste sorgfältig zu lesen, um festzustellen, ob das Produkt Gluten enthält.

 

Sowohl in der Schweiz wie auch in der EU gilt die Kennzeichnungspflicht für glutenhaltige Getreide und daraus hergestellte Erzeugnisse. Es muss jedoch nicht «Gluten/enthält Gluten» notiert sein. Meist werden die glutenhaltigen Getreidesorten genannt. Beispiele: "Weizenmehl" oder "Weizenstärke". Ist die Glutenquelle auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar, muss hinter der entsprechenden Zutat Gluten oder das glutenhaltige Getreide in Klammern stehen. Beispiel: Gewürze (Gluten), Würze (Weizen). Die Deklarationspflicht hat das Einkaufen für Zöliakiebetroffene deutlich erleichtert. Trotzdem werden sie mit verschiedenen Problemen im Alltag konfrontiert, die das Einhalten einer glutenfreien Ernährung erschweren. Nebst der Herausforderung in der Ausserhausverpflegung birgt die limitierte Lebensmittelauswahl ein Risiko einer unausgewogenen Ernährung. Daher ist zusätzlich zu einer ärztli-chen Betreuung die Unterstützung durch eine/n dipl. Ernährungsberater/- in HF oder BSc BFH Ernährungsberater/-in wertvoll.

 

Gesellschaften

Zöliakiegesellschaften setzen sich für die Bedürfnisse und Rechte der Betroffenen ein. Ihre Aufgabe ist es, Betroffene, Fachpersonen sowie die allgemeine Öffentlichkeit über die glutenfreie Ernährung und Zöliakie zu informieren. In der Schweiz gibt es drei Zöliakiegesellschaften:

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