Diabetes mellitus

1. Definition und Symptome

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, auch bekannt als Zuckerkrankheit, bei der der Blutzuckerspiegel zeitweise oder ständig erhöht ist. In der Schweiz leben schätzungsweise 300‘000 betroffene Personen. Bei dieser Erkrankung herrscht entweder ein Mangel des blutzuckersenkenden Hormons Insulin oder ein vermindertes Ansprechen der Körperzellen auf dieses Hormon. Diabetes mellitus kann ernste Folgeschäden hervorrufen, z.B. Durchblutungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum diabetischen Koma.

Das Hormon Insulin agiert als Schlüssel mit dessen Hilfe der Zucker aus dem Blut in das Zellinnere aufgenommen werden kann. Fehlt dieses Hormon, kann der Zucker aus der Nahrung nicht mehr vom Blut ins Gewebe aufgenommen werden, wo er zur Energiegewinnung dient, weshalb der Blutzucker erhöht bleibt. Durst und häufiges Wasserlassen sind, neben dem erhöhten Blutzucker, die erste Folge. Wird der Blutzucker nicht reguliert, können Spätfolgen, wie Erblindung, Nervenschäden, Herzinfarkt oder Nierenschädigung daraus entstehen.

Bei 90% aller Diabetesfälle handelt es sich um den Typ-2-Diabetes, auch bekannt als Altersdiabetes. Gründe können erbliche Faktoren aber auch Übergewicht und Bewegungsmangel sein. Die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 besteht im Frühstadium in der Regel zunächst nur in einer Ernährungs- und Lebensumstellung ohne Insulingabe. Alle Diabetiker müssen auf ihre Ernährung achten. Der Typ-2-Diabetiker kann sogar in 40% aller Fälle allein mit einer Ernährungsumstellung behandelt werden.

 

2. Umfassende Betreuung und Therapie

Diabetiker sollten sich umfassend beraten lassen. Eine ideale Betreuung beinhaltet Ernährungsberatung, eine Anleitung zu Blutzuckerselbstkontrollen durch eine Diabetesberaterin, regelmässige ärztliche Kontrollen bei einem mit Diabetes vertrauten Arzt, Fusspflege-Instruktion und eine regelmässige Schulung. Die nachhaltige Umstellung der Lebensgewohnheiten (Ernährung, Bewegung) wird durch eine fachkompetente Begleitung begünstigt, bei der eine erfolgreiche, alltagstaugliche Verhaltensänderung in kleinen Schritten über längere Zeit angestrebt wird. 

Am besten soll, durch eine dipl. Ernährungsberaterin HF/FH oder eine Diabtetsberaterin, Anpassungen der täglichen Ernährung vorgenommen werden.

 

3. Ernährung 

Die Ernährung bei Diabetes ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung, die auf den Energie- und Nährstoffbedarf sowie Blutzucker und wenn nötig Medikamente des Betroffenen zugeschnitten ist. Wird die Ernährung entsprechend angepasst, lassen sich Folgeschäden vermindern, bzw. verhindern. Folgendes sollte in der Ernährung beachtet werden: 


3.1 angepasste Energiezufuhr

Eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht kann bereits eine Senkung des Blutzuckers zur Folge haben und die Wirksamkeit des Insulins erhöhen. 


3.2 Verteilung der Mahlzeiten

Der Mahlzeitenrhythmus soll den individuellen Bedürfnissen und dem Blutzuckerspiegel angepasst werden. Grundsätzlich sollte die Kohlenhydratzufuhr auf drei Mahlzeiten verteilt werden. Je nach Medikament (Insulin) und Bewegung machen Zwischenmahlzeiten Sinn. 


3.3 Angepasste Kohlenhydratzufuhr

Weg von Broteinheiten und Zuckerverbot! Für Diabetiker gelten die Empfehlungen einer ausgewogenen Ernährung - der Unterschied zu einer „normalen“ Ernährung ist gering und bezieht sich lediglich auf die Zufuhr und Menge der Kohlenhydrate. Diese sind enthalten in Traubenzucker, Früchten, Stärkeprodukten sowie in Milchprodukten wie Joghurt und Quark und Süsswaren. Grundsätzlich dürfen auch Diabetiker alles essen, inkl. Süssigkeiten - die Menge und der Zeitpunkt des Verzehrs sind entscheidend!


3.4 Light-Produkte / Diabetikerprodukte

Light-Produkte können für Diabetiker sinnvoll sein, sofern sie massvoll konsumiert werden. Light-Getränke mit weniger als 1,5 g Kohlenhydraten pro 100 ml sind in massvollen Mengen geeignet (max. 500 ml / Tag). Diabetikerprodukte können fettreich sein und enthalten häufig anstelle von Haushaltszucker andere Kohlenhydratarten, die den Blutzucker ebenfalls erhöhen. Deshalb werden sie nicht empfohlen.

 

4. Ernährungsempfehlungen bei Diabetes Mellitus Typ 2


4.1 Stärkeprodukte und Hülsenfrüchte

Zu dieser Gruppe gehören: Brot, Knäckebrot, Zwieback, Kartoffeln, Teigwaren, Mehl, Reis, Flocken, Getreide wie Mais, Hirse, Dinkel, Gerste, Roggen usw., Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, Borlottibohnen, rote Indianerbohnen usw.

Stärkehaltige Lebensmittel dienen Ihrem Körper als Energielieferanten und sollen dreimal täglich auf dem Speiseplan stehen. Dabei sind die nahrungsfaserreichen Stärkeprodukte, wie z.B. Vollkornbrot, den nahrungsfaserarmen Produkten, wie z.B. Weggli vorzuziehen. Nahrungsfasern bewirken einen langsameren Blutzuckeranstieg nach dem Essen und rufen ein besseres Sättigungsgefühl hervor.

Portionenbeispiele:

  • 180-240 g Kartoffeln
  • 75-100 g Vollkornbrot
  • 45-75g Teigwaren/Reis roh
  • 40g Frühstücksflocken
  • zur Gewichtsreduktion: 130 g Kartoffeln, 50 g Vollkornbrot, 45 g Teig-waren/Reis roh, 30 g Frühstücksflocken

 

4.2 Gemüse / Salat

Gemüse und Salat beeinflussen den Blutzucker nur unwesentlich und enthalten wichtige Nahrungsfasern, die dazu beitragen, dass gleichzeitig gegessene Kohlenhydrate (z.B. aus Stärkeprodukten) langsamer ins Blut gelangen. Gemüse (-suppe, -stängeli, Salat) gehören mittags und abends auf den Speiseplan. Fettarm zubereitet sind sie ausgezeichnete Magenfüller und stillen so den Hunger.

Hinweis:

  • Blattsalate enthalten kleinere Mengen an Nahrungsfasern als Gemüse. Essen Sie deshalb auch täglich Gemüsesalate.
  • Achten Sie darauf vorallem bei Übergewicht daraif, dass Sie die Salatsauce fettarm, mit wenig Pflanzenöl zubereiten (1 TL pro Portion und Person), sowie z.B. Milch oder Joghurt statt Mayonnaise verwenden.  Bevorzugen Sie Raps-, Baumnuss-, Oliven-, oder auch Leinöl.

 

4.3 Obst / Früchte

Obst enthält je nach Sorte unterschiedliche Kohlenhydratmengen (in Form von Fruchtzucker, Traubenzucker, Saccharose usw.). Die in Obst enthaltenen Nahrungsfasern sind vor allem in den Schalen zu finden (also Apfel mit Schale essen). Bauen Sie Obst 2 x pro Tag als Dessert (anstelle von Süssigkeiten direkt im Anschluss an die Hauptamahlzeit) oder als Zwischenmahlzeit mit etwas Protein (Eiweiss z.B. Joghurt) ein. 

Hinweis:

  • Fruchtsäfte sind nahrungsfaserarm und bewirken darum einen schnellen, zu starken Blutzuckeranstieg. 
  • Sie sind somit für Diabetiker nicht geeignet. Achten Sie darauf, dass Sie bei Fruchtkonserven die Variante mit Süssstoff (z.B.Cyclamat, Saccharin) auswählen.

 

4.4 Milchprodukte

Zu dieser Gruppe gehören: Milch, Buttermilch, Molke, Jogurt, alle Käsesorten, Quark, Blanc  Battu, usw.
Milch, Molke und Jogurt enthalten als einzige Milchprodukte nennenswerte Mengen an Milchzucker. Milchzucker wird langsam verdaut und bewirkt einen langsamen Blutzuckeranstieg. Jogurt oder Milch eignen sich deshalb sehr gut als Zwischenmahlzeit (sofern ohne Zucker). 
Bauen Sie täglich 2-3 Portionen Milch und Milchprodukte in Ihre Mahlzeiten ein.
Eine Portion entspricht in etwa:

  • 40 g Käse
  • 120 g Hüttenkäse
  • Blanc battu oder Quark
  • 180 g Jogurt
  • 200 ml Milch

Hinweis:

  • Wählen Sie die Light-Variante (0,1% - 0,2%-Fett-Produkte wie  Slimline, Lifestyle) sowie die Nature-Versionen von Quark, Jogurt, Bifidusdrinks  oder Buttermilch aus. Diese enthalten weniger Zucker.
  • Beachten Sie den zum Teil beachtlichen Fettgehalt von  Milchprodukten (vor allem in Käse), sprich geniessen Sie diese Produkte mit Mass.
  • Bevorzugen Sie fettreduzierte Varianten

 

4.5 Fleisch / Fisch / Geflügel / Eier

Diese Nahrungsmittel werden auch als Eiweisslieferanten bezeichnet und beeinflussen den Blutzucker nicht direkt. Im Gegenteil: Diese helfen, den Blutzucker zu bremsen.
Konsumieren Sie abwechslungsweise maximal eine Portion täglich à:

  • 80 - 120 g Fleisch oder Fisch 
  • 80 - 120 g Tofu oder Quorn 
  • 1 - 2 Eier

Hinweis:

  • Wählen Sie häufiger magere Stücke, wie Plätzli, Rippli, Geflügel (ohne Haut), Schinken oder Trockenfleisch.

 

4.6 Fette / Öle

Gehen Sie sehr sparsam mit Fett/Öl um, denn 1 g davon liefert bereits 9 kcal (1 EL Öl = 10g!). Auch fettreduzierte Butter/Margarine ist immer noch eine Kalorienbombe! Wählen Sie qualitativ hochwertige Öle, wie z.B. Rapsöl. 

Täglich reicht folgende Menge pro Person aus:

  • 1 EL Raps-/Leinöl für die Salatsauce
  • 2 TL Olivenöl zum Kochen/Braten
  • 10 g Streichfett

 

4.7 Wurstwaren / Snacks / Nüsse

Diese Gruppe enthält viel verstecktes Fett. Häufig ist die Fettqualität in Kräcker und Wurstwaren nicht gut. Nüsse hingegen enthalten qualitativ gute Fette. Achten Sie darauf, maximal 1x pro Woche 1 Portion Wurstwaren à 80-100g zu geniessen. Bauen Sie 25-30 g Nüsse (ungeröstet und ungesalzen) in Ihren Essalltag ein.

 

4.8 Süssigkeiten / Gebäck

Normale Süssigkeiten sind heute nicht mehr generell verboten, sollten aber mit Umsicht und Vernunft genossen werden. Normal Gezuckertes sollte bevorzugt am Schluss einer nahrungsfaserreichen Mahlzeit als Dessert gegessen werden (nicht isoliert, da dadurch der Blutzuckerspiegel zu rasch ansteigen würde). Diabetikerschokolade und -guetzli enthalten genauso viel Fett und Kalorien wie normale Produkte! Süssigkeiten enthalten meist viel Fett und „leere“ Kalorien, dafür wenig Mineralstoffe und Vitamine. Wenn Sie davon essen, geniessen Sie es, essen Sie langsam, so haben Sie mehr davon.

 

4.9 Zucker / Konfitüre / Süssstoffe

Zucker (=Saccharose), Konfitüre usw. sind eine der konzentriertesten „Zuckerquellen“, die blutzuckererhöhend wirken. Bereits mit kleinen Portionen werden grosse Mengen an Kohlenhydraten aufgenommen, was zu einem starken Blutzuckeranstieg führen kann. Deshalb in kleinen Mengen und immer im Rahmen einer nahrungsfaserreichen Mahlzeit als Dessert geniessen. 

Light-Konfitüre ist zuckerreduziert, aber wegen des Fruchtanteils natürlich nie „zuckerfrei“. Jedoch als Ersatz für normal gezuckerte Konfitüre gut geeignet. Süssstoffe schmecken zwar süss, aber haben keinen blutzuckersteigernden Effekt. “Natürliche Süssmittel“ wie Birnel, Melasse, Honig sind wegen ihres hohen Zuckergehaltes nicht geeignet!

 

4.10 Getränke / Light-Getränke

Trinken Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter ungezuckerte Getränke, wie Wasser oder Tee pro Tag. Gezuckerte Getränke (z.B. Rivella rot/grün, Coca Cola, Citro, Ice Tea, gezuckerter Tee/Kaffee usw.) enthalten zu viel Zucker. Auch ungezuckerte Fruchtsäfte eigenen sich nicht als Getränk. Als Alternative zu Wasser und ungezuckertem Tee könnten Sie auch mal ein Zero- oder light-Getränk, welches nicht mehr als 1.5 g Kohlenhydrate pro 100 ml enthält, geniessen. 

Hinweis:

  • 300 ml gezuckerte Limonade enthalten bereits 30 - 40g  Zucker (entspricht 7-10 Würfelzucker)!
1
2
3
4
5